8. Forschung und Entwicklung
Unser Leitbild „Bayer: Science For A Better Life“ unterstreicht die Überzeugung des Bayer-Konzerns: Innovationen leisten wichtige Beiträge, um die globalen Herausforderungen zu bewältigen. Innovationen sind wesentliche Treiber für das zukünftige Wachstum unseres Unternehmens. Wir verfügen über die notwendigen Ressourcen, um durch Forschung und Entwicklung weitere Zukunftschancen zu generieren. Im Jahr 2009 wurden 2.746 MIO € (Vorjahr: 2.653 MIO €) für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Dies entspricht einer Forschungskostenquote von 8,8 % bezogen auf den Umsatz. Eine besondere Bedeutung hat die fokussierte Entwicklung von neuen, das Kerngeschäft stärkenden Produkten. Um unser angestrebtes Wachstum zu ermöglichen, arbeiten wir an einer stetigen Erneuerung und Erweiterung des Produktportfolios sowie an einer Optimierung der Produktionsprozesse. Unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten orientieren sich eng an den Marktbedürfnissen und unterliegen dementsprechend einem kontinuierlichen Anpassungsprozess. Unsere eigenen Aktivitäten werden durch ein internationales Netzwerk von führenden Hochschulen, öffentlichen Forschungseinrichtungen und Partnerfirmen ergänzt. Wir wollen somit durch Bündelung von Know-how neue Geschäftsideen zügig in Produkterfolge umsetzen. Die gezielte Förderung von Mitarbeitern in den Forschungs- und Entwicklungsbereichen ist eine weitere Maßnahme zur Unterstützung unserer Aktivitäten.
HealthCare
In die Forschung und Entwicklung (F&E) der beiden Segmente Pharma und Consumer Health haben wir im Jahr 2009 1.847 MIO € (Vorjahr: 1.742 MIO €) investiert, um das Fundament für weitere innovative Produkte im Gesundheitsbereich zu legen. Dies entspricht 67,3 % der gesamten Forschungsaufwendungen des Konzerns und einer Forschungskostenquote von 11,6 %.
Bei der Wirkstofffindung im Segment Pharma konzentrieren wir uns auf die Bereiche Kardiologie, Onkologie, Frauengesundheit und Diagnostische Bildgebung. Die Forschungsaktivitäten und -kapazitäten sind an den drei Standorten Berlin und Wuppertal (Deutschland) sowie Berkeley (USA) gebündelt. An den Standorten Berlin und Wuppertal konzentrieren wir uns im Wesentlichen auf die Identifizierung von molekularen Zielstrukturen, um Leitsubstanzen zu entwickeln und zu optimieren. Außerdem werden hier Untersuchungen zum Arzneimittelstoffwechsel, zur Pharmakokinetik, Toxikologie und klinischen Pharmakologie unternommen. Berkeley ist ein wichtiges Forschungs- und Entwicklungszentrum, in dem die proteinbasierte biologische Wirkstoffforschung und die biotechnologische Herstellung von
Kogenate® erfolgen.
Zur Entwicklung neuer Wirkstoffe für Erkrankungen mit hohem medizinischem Bedarf haben wir im Verlauf des Jahres 2009 mit mehreren Arzneimittelkandidaten aus unserer Forschungs- und Entwicklungspipeline klinische Studien durchgeführt. Zudem stellten wir für einige dieser Arzneimittelkandidaten nach Abschluss aller notwendigen Studien Anträge auf Zulassung bzw. auf Erweiterung der bestehenden Zulassung bei einer oder mehreren Zulassungsbehörden. Die wichtigsten noch im Zulassungsprozess befindlichen Arzneimittelkandidaten sind:
| Einreichungen | [Tabelle 3.32] |
|---|
| | Indikation |
Rivaroxaban/Xarelto® | USA, Prävention von venösen Thromboembolien nach Hüft- und Kniegelenkersatz-Operationen |
Qlaira® (E2V/DNG) | USA, Orale Empfängnisverhütung und Behandlung von starken und/oder verlängerten Regelblutungen |
| Levitra® | Erektile Dysfunktion, Schmelztabletten |
| YAZ® Plus, Yasmin® Plus | Orale Empfängnisverhütung, kombiniertes Kontrazeptivum mit Folat |
| Valette® Plus | EU, Orale Empfängnisverhütung, kombiniertes Kontrazeptivum mit Folat |
In der nachfolgenden Tabelle sind unsere wichtigsten Arzneimittelkandidaten der klinischen Prüfungsphasen III und II dargestellt:
| Forschungs- und Entwicklungsprojekte (Phase III und II)* | [Tabelle 3.33] |
|---|
| | Indikation | Status |
| Alemtuzumab | Multiple Sklerose | Phase III |
Alpharadin™ | Behandlung von Knochenmetastasen bei hormon-resistentem Prostatakrebs | Phase III |
| Angeliq® low-low | Hormonersatztherapie | Phase III |
Bonefos® | Prävention von Knochenmetastasen bei Brustkrebs | Phase III |
| FC Patch low | Empfängnisverhütung | Phase III |
| Florbetaben | Alzheimer-PET-Diagnostik | Phase III |
| Gadovist® | Magnetresonanztomographie | Phase III |
| LCS (ULD LNG Contraceptive System) | Empfängnisverhütung | Phase III |
| Nexavar® | Schilddrüsenkrebs | Phase III |
| Nexavar® | Nicht kleinzelliger Lungenkrebs | Phase III |
Riociguat (sGC Stimulator) | Pulmonale Hypertonie (CTEPH) | Phase III |
Riociguat (sGC Stimulator) | Pulmonale Hypertonie (PAH) | Phase III |
Rivaroxaban/Xarelto® | Thromboseprophylaxe bei immobilisierten Patienten aufgrund medizinischer Indikationen | Phase III |
| Rivaroxaban/Xarelto® | Behandlung von venösen Thromboembolien | Phase III |
| Rivaroxaban/Xarelto® | Schlaganfall-Prophylaxe bei Vorhofflimmern | Phase III |
Rivaroxaban/Xarelto® | Sekundärprophylaxe des akuten koronaren Syndroms/Herzinfarkt | Phase III |
| VEGF Trap-Eye | Altersabhängige Makula-Degeneration | Phase III |
| VEGF Trap-Eye | Verschluss der zentralen Netzhautvene | Phase III |
| YAZ® Flex | Orale Empfängnisverhütung | Phase III |
| Forschungs- und Entwicklungsprojekte (Phase III und II)* | [Fortsetzung Tabelle 3.33] |
|---|
| | Indikation | Status |
Alpharadin™
| Behandlung von Knochenmetastasen bei Brustkrebs | Phase II
|
| Amikacin Inhale | Lungeninfektion | Phase II |
| Cinaciguat (sGC Aktivator) | Akute Herzinsuffizienz | Phase II |
| Ciprofloxacin Inhale | Lungeninfektion | Phase II |
| E2 + DRSP | Orale Empfängnisverhütung | Phase II |
| L19-SIP | Lungenkrebs, Gehirnmetastasen | Phase II |
| Nexavar® | Brustkrebs | Phase II |
| Nexavar® | Dickdarmkrebs | Phase II |
| Nexavar® | Eierstockkrebs | Phase II |
| Nexavar® | Weitere Indikationen | Phase II |
| Regorafenib (DAST Inhibitor) | Krebs | Phase II |
| Riociguat (sGC Stimulator) | Pulmonale Hypertension (COPD) | Phase II |
| Riociguat (sGC Stimulator) | Pulmonale Hypertension (ILD) | Phase II |
| Sagopilone (ZK-EPO) | Lungen-/Eierstock-/Prostatakrebs | Phase II |
| VEGF Trap-Eye | Diabetisches Makula-Ödem | Phase II |
| ZK 245186 | Atopische Dermatitis | Phase II |
* Stand: 15. Februar 2010
PAH = pulmonale arterielle Hypertonie; CTEPH = chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie
COPD = chronisch obstruktive Lungenerkrankung; ILD = interstitielle Lungenerkrankung; PET = Positronen-Emissionstomographie
Das Wesen der Arzneimittelforschung und -entwicklung bedingt, dass nicht alle Wirkstoffe das jeweils festgelegte Projektziel erreichen werden.
Es besteht die Möglichkeit, dass einige oder alle der hier aufgeführten Projekte aufgrund wissenschaftlicher und/oder wirtschaftlicher Erwägungen abgebrochen werden und somit nicht zu einem marktfähigen Produkt führen. Zudem ist es möglich, dass die für diese Wirkstoffe erforderliche Zulassung als Arzneimittel durch die Food and Drug Administration (FDA), die European Medicines Agency (EMEA) oder eine andere Zulassungsbehörde nicht erteilt wird. |
Wir überprüfen unsere Forschungs- und Entwicklungspipeline regelmäßig, um die aussichtsreichsten Pharma-Projekte mit Priorität voranzutreiben. Zu unseren wichtigsten Entwicklungskandidaten zählt u. a. unser innovatives Krebsmedikament
Nexavar®, das zusammen mit Onyx Pharmaceuticals, Inc., USA, entwickelt wurde. Nexavar® greift sowohl die Krebszellen als auch das Gefäßsystem des Tumors an. In präklinischen Modellen beeinflusste Nexavar® zwei Kinase-Klassen, die am Zellwachstum und an der Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen) mitwirken. Dies sind zwei wichtige Prozesse, die ein Krebswachstum ermöglichen. Der vielversprechende Wirkstoff, an dem wir noch weiter forschen, wird derzeit weltweit in den Indikationen des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms und des Leberzellkarzinoms vermarktet. Die Untersuchungen zum Einsatz bei anderen Tumorarten befinden sich derzeit in unterschiedlichen Phasen der klinischen Entwicklung (siehe auch Tabelle 3.33).
Unser neuartiger Gerinnungshemmer
Xarelto®, ein als Tablette einzunehmender direkter Faktor-Xa-Inhibitor, kam im September 2008 zur Prophylaxe von venösen Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach geplanten Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operationen auf den Markt. Zulassungen wurden von mehr als 80 Ländern weltweit erteilt, darunter die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, Australien, China, Kanada und Mexiko. Xarelto® wird inzwischen in mehr als 60 Ländern vermarktet. Aufgrund des umfangreichen klinischen Studienprogramms ist der Wirkstoff der zurzeit am intensivsten untersuchte orale, direkte Faktor-Xa-Inhibitor weltweit. Insgesamt sollen mehr als 65.000 Patienten an dem Entwicklungsprogramm teilnehmen, in dem Xarelto® für die Thromboseprophylaxe und -therapie in einem breiten Spektrum von Indikationen geprüft wird (siehe auch Tabelle 3.33).
Auf dem Gebiet der Frauengesundheit forschen wir auch daran, das Spektrum an Möglichkeiten zur Verhütung auszuweiten. Im April 2009 wurden Phase-III-Studien zur klinischen Prüfung eines Verhütungspflasters gestartet. Es ist transparent und soll das kleinste und am niedrigsten dosierte Verhütungspflaster auf dem Markt werden. Im Bereich der oralen Verhütungsmittel wurden
YAZ® Plus und
Yasmin® Plus in Europa und den USA zur Zulassung eingereicht. Bei diesen Produkten werden die Verhütungsmittel der YAZ®-Produktfamilie mit einem Folat in einer Tablette kombiniert. Im Mai 2009 haben wir das in Europa unter dem Namen
Qlaira® vermarktete orale Verhütungsmittel in den USA zur Zulassung eingereicht. Neben der Indikation Empfängnisverhütung wurde hier auch die Indikation zur Behandlung von starken und/oder verlängerten Regelblutungen beantragt. Qlaira® enthält eine Kombination mit Estradiolvalerat, das im Körper sehr schnell in Estradiol umgewandelt wird. Mit diesem Produkt entsteht eine neue Klasse der oralen Verhütungsmittel, deren Östrogenbestandteil auf Estradiol basiert – dem gleichen Östrogen, das der weibliche Körper produziert.
Aufgrund vielversprechender Phase-II-Ergebnisse mit
Riociguat (sGC Stimulator) haben wir im Dezember 2008 ein Phase-III-Programm gestartet. Riociguat ist das erste Präparat einer neuen Klasse von gefäßerweiternden Substanzen – den Stimulatoren der löslichen Guanylatcyclase (sGC). Der als Tablette einzunehmende Wirkstoff wird derzeit als neuer Therapieansatz bei verschiedenen Formen des Lungenhochdrucks untersucht.
Die Aktivitäten im Bereich der Diagnostischen Bildgebung fokussieren sich auf die Entwicklung von Positronen-Emissionstomographie (PET)-Markern (Tracer), die in Zukunft eine frühere und präzisere Diagnose ermöglichen könnten. Dies geschieht in den drei Indikationsfeldern Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Onkologie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Mit der Entwicklung von
Florbetaben möchten wir zukünftig zu einer früheren und präziseren Diagnose der Alzheimer-Erkrankung beitragen. Die im Juli 2009 vorgestellten Phase-II-Daten mit dem neuen PET-Tracer Florbetaben unterstreichen dessen Potenzial als wichtige bildgebende Ergänzung zu bestehenden klinischen Methoden, die derzeit zur Diagnose von Demenz eingesetzt werden. Zusätzliche Phase-II-Studien laufen noch. Im November 2009 startete das globale Phase-III-Programm von Florbetaben.
Wir ergänzen unser Produkt-Portfolio aus eigener Forschung und Entwicklung durch Einlizenzierungen auf globaler, regionaler und nationaler Ebene. In der Kooperation mit der Genzyme Corp., USA, entwickeln wir den humanisierten monoklonalen Antikörper
Alemtuzumab, der derzeit in zwei globalen Phase-III-Studien in der Indikation Multiple Sklerose (MS) getestet wird. Die Zusammenarbeit mit Genzyme Corp. wurde im Berichtsjahr neu strukturiert, wobei die gemeinsame Entwicklung fortgesetzt wird. Die Lizenz zur weltweiten Vermarktung hat Bayer an Genzyme Corp., USA, zurückgegeben und erhält im Gegenzug Lizenzgebühren sowie Co-Promotionsrechte.
Für unser gemeinsames Entwicklungsprojekt
VEGF Trap-Eye mit Regeneron Pharmaceuticals, Inc., USA, laufen zwei Phase-III-Studien in der Indikation altersabhängige Makula-Degeneration und eine Phase-II-Studie bei Patienten mit diabetischem Makulaödem. Darüber hinaus wurden 2009 zwei Phase-III-Studien gestartet, die den Einsatz in der Indikation Verschluss der zentralen Netzhautvene (Central Retinal Vein Occlusion/CRVO) untersuchen. VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) ist ein natürlicher Wachstumsfaktor, der die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) anregt. VEGF Trap-Eye blockiert diese Wachstumsfaktoren spezifisch und mit hoher Wirksamkeit, wodurch die abnorme Bildung neuer Blutgefäße, die zu Blutungen neigen, verhindert wird. Das Präparat wird lokal ins Auge appliziert. Nach erfolgter Zulassung wird Bayer das Präparat außerhalb der USA vermarkten. In den USA hält Regeneron Pharmaceuticals, Inc., USA, die alleinigen Rechte an VEGF Trap-Eye.
Für das rekombinante Thrombin haben wir die Vereinbarungen mit ZymoGenetics, Inc., USA, geändert. Wir beschränken uns auf die Vermarktung in Kanada. Dort haben wir im Dezember 2009 die Zulassung erhalten und werden das Produkt voraussichtlich im Februar 2010 auf den Markt bringen.
Im April 2009 wurde eine Lizenzierungsvereinbarung mit Ardea Biosciences, Inc., USA, zur Entwicklung und Vermarktung von niedermolekularen Mitogen-aktivierten ERK-Kinasen-Inhibitoren (MEK-Inhibitoren) zur Behandlung von Tumoren vereinbart. Diesen Kinasen wird eine bedeutende Rolle bei der Vermehrung von Krebszellen, der Selbstzerstörung der Zellen und bei der Metastasierung zugeschrieben.
Mit Alpharadin™, einem Alpha-Strahlung freisetzenden radiopharmazeutischen Wirkstoff, wurde im September 2009 ein Krebstherapeutikum von Algeta ASA, Norwegen, zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung einlizenziert. Derzeit befindet sich die Substanz in einer weltweiten Phase-III-Studie bei Patienten mit Prostatakrebs, die auf eine Hormonbehandlung nicht mehr ansprechen und bei denen sich Knochenmetastasen gebildet haben.
Um das Spektrum möglicher Anwendungsbereiche von bereits vermarkteten Produkten zu erweitern, investieren wir in ein kontinuierliches Lebenszyklus-Management. Wir wollen so neue Indikationen identifizieren und verbesserte Darreichungsformen entwickeln.
In unserem Segment Consumer Health richten sich die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Division Consumer Care in den Zentren für Produktentwicklung in Morristown (USA) und Gaillard (Frankreich) auf die Identifizierung, Entwicklung und Markteinführung von rezeptfreien Produkten. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung sowohl bestehender als auch neuer Marken durch die Umsetzung produktbezogener, klinischer und regulatorischer Entwicklungsstrategien. Diese bieten die Möglichkeit, neue Technologien, Indikationserweiterungen bestehender Arzneimittel und die Neueinstufung von bislang verschreibungspflichtigen Medikamenten als freiverkäufliche Produkte erfolgreich zu nutzen. Im Jahr 2009 konnte eine Reihe neuer Produktlinienerweiterungen in verschiedenen Märkten eingeführt werden.
In der Division Medical Care forschen wir insbesondere auf den Gebieten der Blutzuckermessung als auch in der Weiterentwicklung medizinischer Geräte, die in der Diagnose und Therapie diverser Erkrankungen eingesetzt werden. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum im Bereich Diabetes Care in Tarrytown (USA) arbeiten wir sowohl an der Stärkung unserer Kernproduktlinien als auch an der weiteren Expansion in attraktive Segmente des Diabetesmarkts. Im Geschäftsjahr 2009 haben wir verschiedene innovative Produkte auf den Markt gebracht. Darunter
Contour® USB,
Didget® und
A1cNow® SelfCheck, die den individuellen Bedürfnissen von Menschen mit Diabetes gerecht werden. Im Bereich unseres Medizingerätegeschäfts fokussieren wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf die kontinuierliche Verbesserung der marktführenden Injektionsgeräte für die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie sowie der Systeme für den Einsatz bei Gefäßeingriffen. Darüber hinaus setzen wir auf eine Ausweitung in weitere attraktive Segmente wie z. B. medizinische Datenmanagementsysteme. Unser Forschungs- und Entwicklungszentrum hierfür befindet sich in der Nähe von Pittsburgh, USA.
Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Division Animal Health am Standort Monheim (Deutschland) konzentrieren sich auf die Bereiche Antibiotika und Parasitizide sowie Wirkstoffe zur Behandlung nicht-infektiöser Krankheiten bei Tieren. Neben der Entwicklung neuer Produkte gegen Parasiten bei Haus- und Nutztieren wird im Bereich der Organerkrankungen bei Hunden und Katzen insbesondere der Aufbau von Produktportfolios im Bereich chronischer Nieren-, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen betrieben. Im Berichtsjahr wurde
Profender® (Emodepsid und Praziquantel), ein neues Mittel gegen Wurmbefall bei Hunden, in den europäischen Markt eingeführt.
CropScience
Mit Forschungs- und Entwicklungskosten in Höhe von 653 MIO € (Vorjahr: 649 MIO €) entfielen 23,8 % der Aufwendungen des Bayer-Konzerns für Forschung und Entwicklung im Jahr 2009 auf CropScience. Dies entspricht einer Forschungskostenquote von 10,0 % des erzielten Umsatzes des Teilkonzerns.
CropScience verfügt über ein weltweites Netz von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, in denen nahezu 4.000 Mitarbeiter tätig sind. Unsere größten Standorte zur Erforschung und Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln sind Monheim und Frankfurt a. M. (Deutschland) sowie Lyon (Frankreich). Im Bereich BioScience, der sich auf die Saatguttechnologie und -züchtung konzentriert, befinden sich unsere bedeutendsten Forschungszentren in Gent (Belgien) und Haelen (Niederlande).
Während die Forschungstätigkeiten auf einige zentrale Standorte konzentriert sind, finden die Entwicklungsaktivitäten sowie die Saatgutzüchtung sowohl in zentralen Einrichtungen als auch in zahlreichen Feldversuchsstationen weltweit statt, um die Prüfung der zukünftigen Produkte unter den regionalen klimatischen Bedingungen zu gewährleisten.
Im Rahmen eines integrierten Forschungsansatzes arbeiten unsere Wissenschaftler aus den Bereichen Agrarchemie und Saatguttechnologie zunehmend enger zusammen, um die Fachkompetenzen aus der chemischen, biologischen und genetischen Forschung und Feldentwicklung optimal zu bündeln und auf unsere langfristigen Forschungsziele und Geschäftsstrategien in den einzelnen Anbaukulturen auszurichten.
Im Bereich Crop Protection erforschen und entwickeln wir innovative, sichere und nachhaltige Produkte für den Einsatz als Insektizide, Fungizide und Herbizide in der Landwirtschaft. Darüber hinaus arbeiten wir indikationsübergreifend in neuen zukunftsweisenden Forschungsprojekten, beispielsweise auf den Gebieten Pflanzengesundheit und Stresstoleranz. Hierbei stehen uns zusätzlich zur klassischen Chemie, Biologie und Biochemie moderne Technologien wie Genomik, Hochdurchsatz-Screening und Bioinformatik für die Identifizierung neuer Leitstrukturen zur Verfügung. Kooperationen mit externen Partnern ergänzen unsere eigenen Aktivitäten.
Wir erweitern den Einsatzbereich unserer Wirkstoffe durch Saatgutbehandlungslösungen, neue Mischungen oder die Entwicklung innovativer Formulierungen für bereits vermarktete Produkte, um deren Anwendbarkeit auf andere Kulturpflanzen zu erweitern oder um deren Handhabung zu verbessern.
Die Wirkstoffpipeline von Crop Protection enthält derzeit 20 Entwicklungsprojekte, davon 10 Projekte in der fortgeschrittenen Entwicklung sowie 10 weitere Projekte in einem frühen Entwicklungsstadium. Rund 45 weitere Projekte befinden sich in der frühen Forschungsphase.
Im Jahr 2009 haben wir mit der Vermarktung unseres Wirkstoffs Thiencarbazone-methyl in Verbindung mit unserem neuen Safener Cyprosulfamid begonnen. Thiencarbazone-methyl (Hauptmarken:
Adengo®,
Corvus®) ist ein neuer Wirkstoff zur Bekämpfung von Unkräutern im Mais- und Getreideanbau. Die Substanz aus der chemischen Klasse der Sulfonyl-Amino-Carbonyl-Triazolinone (SACT) ist eine ideale Ergänzung zu unserem bereits vermarkteten Wirkstoff Isoxaflutol und sorgt durch die Kombination zweier Wirkmechanismen in Verbindung mit dem neuen Safener Cyprosulfamid für eine besonders hohe Kulturverträglichkeit. Safener sind spezielle Substanzen, die Herbiziden beigefügt werden, um die Nutzpflanzen vor der potenziell schädigenden Wirkung des Wirkstoffs zu schützen.
Im Zeitraum 2010 bis 2012 stehen, die erfolgreiche Registrierung vorausgesetzt, sechs weitere vielversprechende neue Wirkstoffe zur Markteinführung an:
| Geplante Markteinführungen | [Tabelle 3.34] |
|---|
| Wirkstoff | Indikation | Geplante Markteinführung |
| Isotianil | Fungizid | 2010 |
| Fluopyram | Fungizid | 2010/2011 |
| Bixafen | Fungizid | 2010/2011 |
| Bacillus firmus | Biologische Schädlingskontrolle zur Saatgutbehandlung | 2010/2011 |
| Indaziflam | Herbizid | 2011 |
| Penflufen | Fungizid zur Saatgutbehandlung | 2011/2012 |
Für die Gruppe der vier bereits seit 2008 neu in den Markt eingeführten Wirkstoffe sowie der vorgenannten sechs weiteren Substanzen, die bis zum Jahr 2012 Marktreife erlangen sollen, erwartet CropScience ein Spitzenumsatzpotenzial von insgesamt 1,25 MRD €.
Mit Isotianil (Hauptmarke:
Routine®) aus der chemischen Klasse der Isothiazole planen wir die Einführung eines neuen Reisfungizids, das unser Portfolio in Asien verstärken wird. Der Wirkstoff aus unserer Forschungspipeline wurde in einer Partnerschaft mit dem japanischen Unternehmen Sumitomo Chemical Co., Ltd. weiter entwickelt. Isotianil schützt Reis gegen den Pilz Pyricularia, dem Verursacher der Reisbräune, indem die natürlichen Abwehrmechanismen der Pflanzen stimuliert werden.
Fluopyram (Hauptmarke:
Luna®) wurde zur effektiven Bekämpfung von verschiedenen hartnäckigen Pflanzenkrankheiten entwickelt, die durch Pilzerreger hervorgerufen werden. Der Wirkstoff aus der neuen Substanzklasse der Pyridinyl-ethyl-benzamide soll weltweit in der Blattapplikation und Saatgutbehandlung in mehr als 70 Kulturen zum Einsatz kommen. Wichtige Vorteile sind die verbesserte Lagerfähigkeit und die längere Haltbarkeit der Erntegüter.
Bixafen (Hauptmarke:
Aviator® XproTM) ist ein neues Getreidefungizid mit einem ertragssteigernden Effekt aufgrund seiner positiven Auswirkungen auf die Pflanzenphysiologie. Der Wirkstoff aus der Gruppe der Pyrazole ist speziell für die Blattanwendung gegen Blattdürre (Septoria tritici) und Braunrost entwickelt worden. Als Vertreter einer neuen Wirkstoffgruppe eignet sich Bixafen sehr gut als Baustein im Resistenzmanagement.
Bacillus firmus (Hauptmarke:
Votivo®) ist ein Mittel zur biologischen Schädlingsbekämpfung in der Saatgutbehandlung, mit der wir unser klassisches Portfolio im Saatgutbehandlungsmarkt gegen Nematoden – im Boden lebende Fadenwürmer – erweitern.
Indaziflam ist ein neues Alkylazin-Herbizid. Der Wirkstoff zeichnet sich durch seine langanhaltende Wirkungsdauer aus und erfasst ein breites Spektrum schwer bekämpfbarer Ungräser und Unkräuter. Indaziflam ist für den Einsatz in landwirtschaftlichen Spezialkulturen – beispielsweise im Obst- und Weinbau – wie auch in einer großen Anzahl nicht-landwirtschaftlicher Märkte vorgesehen, u. a. zur Rasenpflege auf Golf- und Sportplätzen.
Penflufen ist ein neues Pyrazolfungizid zur Saatgutbehandlung in vielen unterschiedlichen Kulturen, z. B. Kartoffeln, Raps, Sojabohnen, Mais und Baumwolle. Neben der Wirkung gegen verschiedene samenbürtige Pathogene zeichnet sich diese Substanz durch besondere Stärke und Wirkungsbreite gegenüber Rhizoctonia spp. aus. Aufgrund seiner guten Saatgutverträglichkeit trägt Penflufen zur besonders kräftigen Jungpflanzenentwicklung bei.
Die im Bereich Crop Protection entwickelten Substanzen werden auch von Environmental Science für eine mögliche Anwendung außerhalb der Landwirtschaft getestet und beurteilt. Gleichzeitig werden Wirkstoffe von Fremdfirmen geprüft und im Erfolgsfall zugekauft. Zu den aktuellen Entwicklungsprojekten gehören Gele und Köder gegen Schadinsekten, neue Herbizide und Fungizid-Wirkstoffmischungen sowie biologische Lösungen. Im Bereich der Vektorenkontrolle forschen wir verstärkt an insektiziden Produkten zur Behandlung von Materialien, wie z. B. an der Weiterentwicklung von imprägnierten Moskitonetzen, die gegen die Übertragung von Malaria eingesetzt werden können. In diesem Rahmen arbeiten wir auch intensiv mit dem Innovative Vector Control Consortium (IVCC) in Liverpool, Großbritannien, zusammen, um eine neue Insektizid-Forschungsplattform aufzubauen und neue resistenzbrechende Wirkstoffe zur Bekämpfung von Malaria-Überträgern zu finden.
Im Jahr 2009 haben wir in unserem Bereich Environmental Science zahlreiche neue Produkte mit einfacher, bedienerfreundlicher Handhabung auf den Markt gebracht. In den USA konnten wir beispielsweise mit
Triton® SG eine neue Fungizidformulierung auf Basis von Triticonazole einführen. Unser „Bayer Advanced“-Portfolio für Endverbraucher in den USA haben wir u. a. durch mehrere neue Fungizide und Insektizide verstärkt. In Europa wurde unser „Bayer Garten“-Angebot vor allem durch neue Herbizide und ein neues Produkt gegen Schnecken erweitert. Auch 2010 planen wir die Markteinführung von mehreren neuen Produkten. Dazu zählen Unkrautbekämpfungsmittel zum Einsatz in der Landschaftspflege, innovative Fungizide mit der StressGard-Technologie, die nicht nur gegen pilzliche Erreger wirken, sondern auch die Pflanzengesundheit stärken, sowie neue Produktreihen auf biologischer Basis für private Konsumenten.
Im Bereich BioScience forschen wir an der Optimierung von Pflanzeneigenschaften und entwickeln neue Sorten in unseren Kernkulturen Baumwolle, Raps und Reis sowie im Gemüsesaatgutbereich. Im Jahr 2009 haben wir unsere Forschungsaktivitäten auch auf Getreide und Sojabohnen als neue Kernkulturen ausgedehnt. Im Fokus unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten stehen die agronomischen Eigenschaften dieser Kulturen. Unsere Forscher arbeiten u. a. an der Entwicklung von Pflanzen, die eine hohe Resistenz gegenüber Stressfaktoren wie extremen Temperaturen und Trockenheit aufweisen. Darüber hinaus wollen wir die Ertragskraft von Nutzpflanzen steigern und die Pflanzenqualität erhöhen – z. B. durch veränderte Rapsölprofile oder optimierte Baumwoll-Faserqualitäten. Weitere Schwerpunkte bestehen darin, neue Herbizidtoleranzen auf der Basis alternativer Wirkmechanismen zu entwickeln sowie die Resistenz gegenüber Insekten und Pflanzenkrankheiten zu verbessern. Die verwendeten Technologien umfassen sowohl moderne Züchtungsverfahren als auch Methoden, die auf der Pflanzenbiotechnologie basieren. Unsere Forschungs- und Entwicklungspipeline enthält gegenwärtig mehr als 50 vielversprechende Leitprojekte und wird durch über 80 laufende Forschungsvereinbarungen mit öffentlichen und privaten Partnern ergänzt.
Das Geschäftswachstum im Bereich BioScience wurde 2009 durch die Einführung neuer Sorten unterstützt. Beispielsweise haben wir gemeinsam mit namhaften Saatgutherstellern in den USA erstmalig unsere
LibertyLink®-Herbizidtoleranz-Technologie in Sojabohnensaatgut vermarktet. Im Jahr 2010 ist die Markteinführung von mehreren Saatgutinnovationen vorgesehen, darunter z. B. Baumwolle mit unserer eigenen Glyphosat-Herbizidtoleranz-Eigenschaft sowie ein Baumwollsaatgut mit der Toleranz gegen Glyphosat und Glufosinat-Ammonium.
Um die Innovationskraft von CropScience weiter zu stärken, wollen wir die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten vor allem im Bereich Saatgut und Pflanzenmerkmale sukzessive erhöhen. Mit dem im November 2009 abgeschlossenen Erwerb der Athenix Corp., USA, haben wir unser Technologieportfolio durch eine umfangreiche Entwicklungsplattform von Pflanzeneigenschaften aus den Bereichen Herbizidtoleranz und Insektenresistenz erweitert. Unser Netzwerk an Forschungs- und Entwicklungsstandorten bauen wir dazu weiter aus. So soll mit der Einweihung eines neuen Biotechnologie-Forschungszentrums in Morrisville, USA, im Frühjahr 2010 unsere Präsenz im wichtigen nordamerikanischen Markt gestärkt werden.
MaterialScience
Im Jahr 2009 wandte MaterialScience 207 MIO € (Vorjahr: 221 MIO €) für Forschung und Entwicklung (ohne Einbeziehung von gemeinsamen Entwicklungsprojekten mit Kunden) auf, um als globaler Anbieter von hochwertigen, maßgeschneiderten Material- und Systemlösungen seine führende Position im Markt und in der Prozesstechnik weiter auszubauen. Damit entfielen rund 7,5 % der konzernweiten Forschungs- und Entwicklungskosten auf MaterialScience. Für den Teilkonzern lag die Forschungskostenquote bei 2,8 % vom Umsatz.
In den Business Units von MaterialScience werden modernste Technologien und Produktionsverfahren eingesetzt, um in Kooperation mit unseren Kunden und anderen externen Partnern neue Produkte und Anwendungen zu realisieren.
In unserer Business Unit Polyurethanes richten sich die Aktivitäten in der Produktentwicklung auf die Erweiterung der Anwendungsgebiete sowie die Eigenschaftsoptimierung unserer Polyurethansysteme. Beispielsweise dienen unsere Polyurethane in der Bauindustrie als Basis für hocheffizientes Dämmmaterial und leisten dort einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. So lässt sich mit Polyurethan-Hartschaum über den gesamten Produktlebenszyklus rund 70-mal so viel Energie einsparen, wie zu dessen Herstellung benötigt wird. Im Rahmen des Bayer-Nachhaltigkeitsprogramms wird mit der Gründung regionaler „Center of Excellence“ ein von Bayer entwickeltes Eco-Commercial-Building-Concept in den Markt eingeführt. Dabei wird sowohl die eigene Kompetenz im Bereich der Hightech-Baumaterialien eingebracht, als auch ein Partnerschaftsnetzwerk erschlossen, das Zulieferer, Baufirmen, Architekten und Bauherren umfasst. Ziel ist es, maßgeschneiderte moderne Konzepte zum Bau energieoptimierter kommerzieller und öffentlicher Gebäude anzubieten.
Auch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe spielt eine wichtige Rolle bei unseren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. So haben wir Polyole entwickelt, die bis zu einem Gewichtsanteil von 70 % auf nachwachsenden Rohstoffen basieren und beispielsweise in Matratzen, Autositzen oder zur Isolation von Kühlschränken eingesetzt werden können. Ein weiteres Beispiel zukunftsweisender Anwendungen sind Rahmen aus Polyurethan im weiter stark wachsenden Marktsegment der Solarzellen. Sie ermöglichen die Erstellung kompletter Solarsysteme in deutlich kürzeren Produktionszyklen als bislang. Darüber hinaus bieten sie einen deutlich höheren Grad an Designfreiheit und lassen sich beispielsweise plan in bestehende Hausdächer integrieren.
Innovationsschwerpunkte im Bereich der Prozessentwicklung sind gegenwärtig Verfahrensentwicklungen zur Herstellung neuer und verbesserter Rohstoffe und Rezepturen sowie die Optimierung von Fertigungsprozessen für Polyether-Polyole und aromatische Isocyanate. In unserer
TDI-Anlage (250.000 Tonnen Jahreskapazität) in Shanghai, China, die 2010 fertiggestellt, und voraussichtlich in der 2. Jahreshälfte 2011 mit der Produktion beginnen wird, kommt mit der Gasphasenphosgenierung ein Prozess zum Einsatz, der den Energieverbrauch im Vergleich zu einer
World-Scale-Anlage gleicher Größe und herkömmlicher Technologie um bis zu 60 % reduziert. Zugleich werden die Kohlendioxidemissionen mit diesem innovativen Prozess um bis zu 60.000 Tonnen pro Jahr reduziert.
In der Business Unit Polycarbonates ist es unser Ziel, durch die Entwicklung maßgeschneiderter Produkte neue Kundenbedürfnisse zu befriedigen und damit neue Anwendungen zu erschließen. Darüber hinaus arbeiten wir an einer kontinuierlichen Verbesserung unserer Produktionsprozesse. Die Bereitstellung innovativer Lösungen für globale Trends und Bedürfnisse in der Gesellschaft ist ein wesentlicher Geschäftstreiber. Ermöglicht wird dies durch die Produktentwicklung, die Entwicklung neuer Polymerlegierungen (Polycarbonat Blends und Compounds), die Entwicklung modifizierter Basismaterialien für Polycarbonatplatten sowie die Modifizierung von Polycarbonatoberflächen mithilfe verschiedener Beschichtungstechniken. Auch im Bereich der Halbzeuge entwickeln wir die Einsatzfelder für Polycarbonatplatten, u. a. im architektonischen Bereich, weiter. Beispiele hierfür sind Überdachungen mit maximaler Designfreiheit, hocheffektive und optisch ansprechende Schallschutzwände oder Verscheibungen für große Fensterflächen.
Zu den wichtigsten Entwicklungsfeldern gehören beispielsweise LED-Licht-Management, gewichtsreduzierte Materialien für den Transportbereich (wie etwa Autoscheiben aus Polycarbonat), kostengünstige Systemlösungen für den automobilen Innenraum sowie design-orientierte Anwendungen. Wir entwickeln hierbei zusammen mit unseren Kunden Lösungsansätze, die sich auf die zunehmenden globalen Herausforderungen im Hinblick auf Mobilität, Lebensqualität, Umwelt sowie Kostenoptimierung in der Herstellung konzentrieren.
Die Forschung und Entwicklung unserer Business Unit Coatings, Adhesives, Specialties konzentriert sich auf die Entwicklung von Polyurethan-Rohstoffen für die Formulierung hochwertiger Lacke, Kleb- und Dichtstoffe, z. B. aliphatische und aromatische Polyisocyanate und Harzkomponenten. Wichtige Schwerpunkte sind Rohstoffe für wasserbasierte und UV-härtende Systeme, die durch die Vermeidung organischer Lösemittel bzw. die Verkürzung der Lacktrocknung modernen Marktanforderungen entsprechen und damit einen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten. In der neuen strategischen Geschäftseinheit Functional Films and Specialties forschen und entwickeln wir in den Gebieten „innovative Oberflächen“ sowie „Trägermaterialien“. Dabei beschäftigen wir uns beispielsweise mit Elektrolumineszenzfolien, verformbaren beschichteten Folien für Elektro- und Automobilanwendungen,
Makrofol®-Folien, die zur Sicherheit von Ausweisen beitragen können, und mit Hologrammen als Sicherheitsmerkmal z. B. auf Scheckkarten und Ausweisdokumenten. Darüber hinaus arbeiten wir auf den Gebieten Kosmetik und Materialien für medizinische Anwendungen an der Erschließung weiterer neuer Anwendungsgebiete. Ferner sind wir im Bereich der Kohlenstoff-Nanoröhrchen (
Baytubes®) als einer der weltweit führenden Hersteller im Industriemaßstab etabliert. Im Jahr 2009 wurde dazu der Bau der weltgrößten Pilotanlage mit einer Jahreskapazität von 200 Tonnen fertig gestellt.
Im Bereich New Business werden bei MaterialScience ständig neue Technologie- und Markttrends aufgespürt und bewertet. Die aussichtsreichsten Ideen werden in Forschungs- und Entwicklungsprojekte überführt und sollen neue profitable Geschäftsfelder erschließen oder vorhandene Technologieplattformen erweitern.
Bayer Technology Services
Bei technologischen Lösungen, insbesondere in den Bereichen der Prozesstechnologie, dem Anlagenbau, der Automatisierung und der Produktentwicklung, arbeiten alle Bayer-Teilkonzerne weltweit eng mit Bayer Technology Services zusammen. Die Servicegesellschaft entwickelt z. B. zusammen mit MaterialScience neue, energie- und rohstoffeffiziente Produktionsverfahren und unterstützt somit den Teilkonzern, seine Technologie- und Kostenführerschaft zu sichern. Die zentrale Weiterentwicklung von teilkonzernübergreifenden Querschnittstechnologien – wie z. B. der Nano- und Biotechnologie oder des Know-how auf dem Gebiet der mathematischen Simulation und der statistischen Datenanalyse – helfen HealthCare und CropScience, die Entwicklungszeiten für neue Produkte zu verkürzen. Ein weiteres strategisches Kernelement ist dabei die internationale Beschaffung von Know-how. Es reicht von landesspezifischem Wissen bei der Abwicklung von Investitionsprojekten bis zur weltweiten Erschließung von Innovationen.
Bayer Innovation
Innovationsthemen, die am Rande der Kernaktivitäten der Teilkonzerne liegen, werden von der Bayer Innovation erarbeitet, bewertet und zu tragfähigen neuen Geschäften für den Bayer-Konzern weiterentwickelt. Ein Arbeitsgebiet ist die Herstellung von Medikamenten in Pflanzen. Im Jahr 2009 wurde der Antrag für eine klinische Studie eines personalisierten Krebsimpfstoffs zur Therapie des Non-Hodgkin-Lymphoms von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA angenommen. Im Bereich Medizintechnik befindet sich eine innovative Wundauflage aus bioresorbierbaren Kieselgelfasern zur Behandlung von chronischen Wunden in der klinischen Erprobung. Im Gebiet Landwirtschaft sind neuartige Hybrid-Konzepte basierend auf Polymertechnologien und Pflanzenschutzmitteln in der Entwicklung. Das volle Potenzial dieser Technologien wird in enger Kooperation mit den Teilkonzernen sowie mit externen Partnern evaluiert.
Triple-i: Inspirationen, Ideen, Innovationen
Die Innovationsoffensive „Triple-i: Inspiration, Ideen, Innovationen“ motiviert alle Bayer-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter weltweit, Ideen für neue Produkte einzureichen und somit einen Beitrag zur Stärkung der Innovationskraft des Unternehmens zu leisten. Erste Produkte konnten bereits erfolgreich im Markt eingeführt werden.